Impressionen vom roten Kontinent Australien

Immer schneller schlägt die Hand aufs Fell. Aus dem bedächtigen Rhythmus ist längst ein Rasen geworden. Auch trommeln nun beide Hände, während sich das tiefe Röhren aus dem Didgeridoo kaum zu wandeln scheint.

Nur wer die Augen schließt, sich völlig einlässt auf den pulsierenden Brummton des Aborigines-Instruments, der nimmt wahr, dass auch hier moduliert wird. Plötzlich klingt da ein Variantenreichtum mit im vermeintlichen Einerlei des Blasrohrs – selbst jenseits der gelegentlichen Überschläge.
Silke Sautter-Walker hat eine gute Wahl getroffen. Für den Vernissage-Nachmittag zu ihrer jüngsten Ausstellung im Restaurant-Bereich des Markdorfer Bischofschlosses engagierte sie Tobias Michel und Fieze Mäser. Zwei Musiker aus Tettnang beziehungsweise Hagnau, die das Publikum auf musikalischen Traumpfaden nach Australien entführten. Passend zu den Bildern Silke Sautter-Walkers, deren Motive ebenfalls aus Australien stammen.
Grell leuchtendes Rot mit einer Intensität, die alles andere zu absorbieren scheint. Und doch gibt es da – bei näherem Hinschauen Variationen. Felsen ragen schroff, schieben sich in den Blick, fordern Beachtung, lenken das Auge gleichzeitig um auf die nächste, eine dahinter liegende Gesteinsformation. Aus vermeintlicher Ruhe wird Bewegtheit. Erzeugt durch den Pinselstrich der Malerin, die aus dem Einerlei des australischen Outbacks genau das herausdestilliert hat, was ihr als Essenz erschien. Von ihr als das Wesentliche wahrgenommen wurde.
So ähnlich beschreibt die in Tettnang lebende Autodidaktin ihre Vorgehensweise. Wie sie den Vernissage-Gästen erläuterte, „mache ich Fotos bei meinen Reisen – und zu Hause dann verdichte ich diese Motive“. Die am stärksten nachwirkenden Eindrücke, die fortwirkenden Empfindungen kommen hinzu. Sodass Landschaften entstehen, die „typisch“ sind, aber keineswegs real. „Die Wirklichkeit ist was für Bildbände“, sagte die Künstlerin. Sie hingegen bearbeite ihr eigene Wirklichkeit.
19 Bilder hängen im „Restaurant im Bischofschloss“. Und nur eines davon zeigt Menschen, eine Gruppe, die, wie so oft, von Silke Sautter-Walter abstrakt angelegt ist. Das Prinzip der malerischen Abstraktheit legt sie auch bei ihren Australien-Landschaften an. Gleich ob Strände, Klippen oder Hügel-Formationen, stets arbeitet sie mit Flächen in intensiven Farben. Bisweilen verlaufen die Acryl-Rinnsale aus ihrem Feld nach unten. Fast als zöge es sie zu dem uns entgegengesetzt liegenden Kontinent. So wie es Silke Sautter-Walker seit drei Jahren regelmäßig dort hin zieht – seitdem dort ihre Tochter lebt.
Jörg Büsche
Die Ausstellung mit den Australienbildern von Silke Sautter-Walker ist während der üblichen Öffnungszeiten im Restaurant „Bischofschloss zu“ sehen.