Es macht mir Spaß, anderen Freude zu bereiten

Er wirkt zunächst recht tough, dieser Herr über das Mindness Hotel Bischofschloss in Markdorf. Im Laufe des Gesprächs spürt man aber schnell, dass man es hier mit einem Beseelten zu tun hat: Bernd Reutemann legt in alles, was er tut, Leidenschaft und Hingabe. Ein Mensch, der laufend Ideen produziert und nach ihrer Verwirklichung strebt. Und dabei immer seiner Linie treu bleibt. „Mindness“, dieses Wort, das er als geschützte Marke eintragen ließ, steht für sein Lebenskonzept. Er erklärt, was es bedeutet: „Mindness heißt: Ich habe darüber nachgedacht Wir sagen aber nie, was richtig und falsch ist, sondern regen nur an, darüber nachzudenken,was man tut.“

Die gute Laune im Bischofschloss-Team ist auffallend.
Reutemann lächelt: „Ich glaube, ich habe
die besten Schlossgeister, die es gibt.“ Er schätzt
seine Mitarbeitenden und wünscht sich vor allem
Authentizität von ihnen. Die Hierarchie ist flach –jeder
Einzelne trägt viel Verantwortung. „Weil
alle wissen: Der Chef weiß nicht alles besser. Man
muss loslassen können. Dieses Hotel ist nicht
patriarchalisch geführt, aber diszipliniert.“ Reutemann hat sich inzwischen aus dem Operativen
herausgezogen und fungiert im Hotel als „eine Art
Berater“. Und wenn er da ist, hilft er aus, wo Not
am Mann ist. Das kann auch mal den persönlichen
Bereich eines Mitarbeiters betreffen.
Bernd Reutemann stammt aus einer Gastronomenfamilie
aus Meckenbeuren. Er lernte Koch,
reiste in der Welt herum. Sein anschließendes
BWL-Studium führte ihn als Gastro-Berater zum
Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband).
„Irgendwann sagte ich mir: Jetzt mach
ich’s selber.“ Das Markdorfer Bischofschloss war
ziemlich heruntergekommen, als man einen neuen
Betreiber suchte. Reutemann griff zu. Er macht
keinen Hehl daraus, dass es nicht einfach ist, einen
Gebäudekomplex wirtschaftlich zu betreiben, der
nicht als Hotel gebaut wurde, sondern als Schloss.
Allein der Energieaufwand! „Ich habe es lieben
gelernt“, sagt Reutemann jetzt, nach sieben Jahren
Schlossherrschaft. Er pflegt seinen eigenen Stil.
Lässt schon mal einen Aufzug umrüsten, damit er
wie eine Duschkabine aussieht – „Das vergessen
die Gäste nie!“ Hält einen Koffer mit kleinen Kindergeschenken
für Tagungsgäste bereit, aus dem
Väter und Mütter sich bedienen dürfen, um ihren
zuhause wartenden Nachwuchs zu erfreuen. Wie
kommt er auf solche Ideen? „Ich bin kreativ und kann
sehr gut denken“, antwortet Reutemann. Er habe die
Leidenschaft, sich in andere hineinzuversetzen und
Sympathie zu erwecken. Kein Wunder, dass er den
Titel „Dienstleister des Jahres“ tragen darf.
Der Dienstleistungsgedanke setzt sich in der Küche
fort. Beispiel: Die Frühstückseier lachen mit
aufgemalten Smilies morgens die Gäste an. Reutemann
ist ein konsequenter Verfechter regionaler
Kost – etwa 95 Prozent der bei ihm verarbeiteten
Produkte stammen aus Baden-Württemberg. Das
heißt auch, dass es im Winter eben keine Tomaten
gibt, sondern das, was in der Region wächst.
Bio ja, aber nicht aus Chile. Schätzten die Gäste
das? „Zunächst nicht. Aber wenn ich es kommuniziere,
finden sie es super.“ Die Gerichte im
Restaurant Mundart haben originelle Namen. Da
gibt es einen „vegetarischen Wahnsinn“ oder einen
„Seitensprung“, die Schweinsfiletmedaillons
heißen „Schwein gehabt“ und das Filetsteak aus
heimischer Aufzucht „Lokalpatriot“. Zu seinem Restaurant
sagt er: „Ich wollte einen Platz schaffen,
wo man hochwertig essen kann, ohne flüstern zu
müssen.“
Hin und wieder kocht Bernd Reutemann noch –
„aber dann mit Genuss!“. Sein Hauptgeschäft sind
inzwischen Vorträge, bundesweit, etwa 100 pro
Jahr. Er hat zwei kleine Töchter, seine Schwester
arbeitet im Betrieb mit. Hotel-Coach, Familienvater,
Vortragsreisender: Wie schafft er das alles?
„Es macht einfach Spaß“, lautet die lakonische
Antwort. Und wenn es keinen Spaß mehr macht?
„Dann höre ich auf – mit allen Konsequenzen.“
Diese Konsequenz glaubt man ihm unbesehen.
Auch, wenn er sagt: „Ich bin ein Nomade und suche
immer neue Herausforderungen.“ Derzeit denke
er darüber nach, etwas mit „Ärzte ohne Grenzen“
zu machen. Noch mal ein größeres Auslandsprojekt
– das würde ihn reizen. Etwas „Sinnvolles“
möchte er machen und wäre dazu auch zu einer
weiteren Ausbildung bereit. Und bei alldem wirkt
Bernd Reutemann ganz gelassen.

Text: Claudia Antes-Barisch Fotografin: Christine Gillé

Mindness Hotel
Bischofschloss
Schlossweg 2, D-88677 Markdorf
Tel. 0049 7544 50910
info@mindnesshotel.de
www.mindnesshotel.de